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Kleine Hände Zeichensprache

Babyzeichensprache

Zeichensprache für Babys und Kleinkinder

Sie wollen Ihr Baby besser verstehen, erkennen was es will, mit ihm kommunizieren, noch bevor es sprechen kann?

Mit der Kleine Hände Zeichensprache für Babys und Kleinkinder ist dies ganz einfach.

Durch ganz spezielle Methoden und Techniken lernen Sie wann und wie Sie die Babyzeichensprache mühelos und effektiv ins Alltagsgeschehen einbeziehen können, ohne dass Sie das Gefühl der Überforderung haben.

Wenn Sie die Strategien von Kleine Hände Zeichensprache anwenden, öffnen Sie die Tür zur frühen Kommunikation, zur gezielten Förderung der Sprachentwicklung und zum langfristigen Lernen.

Abbildung: Sabine Engelmann-Brunner - entwickelte "Kleine Hände Zeichensprache"

Video-Copyright: sign with your baby ®

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Abbildung: Jule und Johanna - zeigen Autofahren

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PRESSEMITTEILUNGEN:


1.) Eltern & Kind -
Babys setzen Zeichen

Brüllend verschafft der neun Monate alte Leon seinem Unmut Gehör. Hose voll? Hunger? Müde? "Wenn er doch nur schon sagen könnte, was er will", seufzt die junge Mutter. Eine Lösung für dieses Kommunikationsproblem nennt sich Babyzeichensprache, denn bereits Kleinkinder können eine Art Gebärdensprache lernen.

"Zeichensprache für hörende Babys gibt es seit den 80er-Jahren in Amerika. Mittlerweile sind solche Kurse dort ein Standardangebot für junge Eltern und so normal wie Babyschwimmen oder Babymassage bei uns".

"Babys haben schon früh einen großen passiven Wortschatz und wissen oft auch recht genau, was sie wollen. Weil ihr Sprechapparat noch nicht voll entwickelt ist, können sie sich jedoch nur schwer ausdrücken", sagt König. Demgegenüber sind die Kleinen ab dem zweiten Lebenshalbjahr meist sehr gut in der Lage, ihre Hände zu bewegen. Mit Hilfe der Babyzeichen können sie bereits in diesem Alter sagen, dass sie zum Beispiel Hunger oder Durst haben oder nach Hause wollen.

Hände statt Stimmbänder

Es geht ganz einfach: Wenn die Eltern mit ihrem Baby sprechen, verwenden sie parallel dazu Handzeichen für einzelne wichtige Worte. Wird zum Beispiel das Wort »essen« regelmäßig mit einer entsprechenden Handbewegung kombiniert, lernt das Kind ganz nebenbei, was es Mama oder Papa signalisieren muss, wenn es Hunger hat.

Diese Vorgehensweise hat gleich mehrere Vorteile: "Indem die Eltern das Gesagte mit Gesten untermalen, erleichtern sie den Kleinen das Verstehen, lenken die Aufmerksamkeit des Kindes auf das Schlüsselwort des Satzes und sprechen meist automatisch langsamer und kindgerechter. Darüber hinaus erhalten sie auch mehr Aufmerksamkeit von Seiten des Kindes, da Bewegungen im Spiel sind."

Die Kleinen müssen keine komplette Gebärdensprache pauken – schon ein paar Handzeichen genügen, um sich über Grundsätzliches zu verständigen. "Wie viele Zeichen die Eltern einführen und in welchem Tempo neue dazukommen, kann jeder selbst entscheiden und an die Fortschritte und Interessen seines Kindes anpassen. Ein paar wenige helfen im Alltag bereits enorm", versichert die Expertin.

Höherer IQ mit acht Jahren

Dass die Babyzeichensprache nebenbei auch die Entwicklung der Kinder nachhaltig positiv beeinflussen kann, belegen Studiendaten der Psychologinnen Linda Acredolo und Susan Goodwyn aus den USA. Ihnen zufolge lernten Kinder, die Babyzeichen gebrauchten, schneller sprechen und erwarben einen größeren Wortschatz als Gleichaltrige, die keine Babyzeichen angewendet hatten. Zusätzlich war bei den Babyzeichen-Kindern im Alter von acht Jahren im Durchschnitt ein deutlich höherer Intelligenzquotient nachweisbar.

Beispiel gefällig? Würde der kleine Leon anstatt zu brüllen seinen Kopf zur Seite neigen und eine Hand wie ein Ruhekissen an Wange und Schläfe legen, wüsste seine Mutter sicher gleich, dass er schlafen möchte.

Apotheker Rüdiger Freund

2.) aus Rabeneltern: Babyzeichen

Babyzeichen (oder Baby Signs, wie es im Ursprungsland USA heisst) basiert im wesentlichen auf den Erkenntnissen von Linda Acredolo und Susan Goodwyn sowie Joseph Garcia.

Acredolo und Goodwyn, zwei Psychologinnen (University of California und California State University) wurden 1985 zu ihren Studien inspiriert durch Acredolos Tochter Kate, die im Alter von 12 Monaten spontan Zeichen entwickelte.

Angeregt dadurch wollten sie herausfinden, ob auch andere Kinder zu Zeichen greifen. Sie sahen bald, dass die meisten Kinder zumindest einige Zeichen selber kreieren.

Dies führte zu einer über Forschungstätigkeit über 20 Jahren in diesem Gebiet, die in der Entwicklung der Babyzeichensprache gipfelte. Acredolo und Goodwyn gehören zu der Babyzeichenschule, die die Entwicklung von eigenen Zeichen empfiehlt.

Joseph Garcia, ein anderer führender Vertreter der Babyzeichen, fand heraus, dass hörende Babys von tauben Eltern früher und leichter mit ihren Eltern kommunizieren konnten, als Babys von hörenden Eltern. Darauf aufbauend entwickelte er eine Babyzeichenmethode, die auf der amerikanischen Taubstummensprache basiert.

Für welche Methode man sich entscheidet, hängt von persönlichen Vorlieben ab. In jeder Form sind Babyzeichen eine Möglichkeit, mit einem Kind zu kommunizieren, bevor es verbal dazu in der Lage ist.

Was sind Babyzeichen?

Babys sind etwa ab dem Alter von 6 Monaten in der Lage zu kommunizieren, verbal sind sie dazu aber erst etwa ab 12 bis 18 Monaten in der Lage. Babyzeichen können diese Zeit überwinden helfen, in der sich das Baby noch nicht artikulieren kann.

Wie lange es dauert, bis das Baby die Zeichen anzuwenden beginnt, hängt davon ab, wie alt es ist, wenn damit angefangen wird. Aber auch davon wie häufig und konsequent diese von den Betreuungspersonen angewandt werden.

Je jünger das Baby ist, desto länger wird es in der Regel dauern, bis es die Zeichen selber anwendet. Auch ältere Babys und Kleinkinder, die noch nicht über einen grösseren Wortschatz verfügen, können noch von Babyzeichen profitieren.

Wie fange ich an?

Am leichtesten ist es, mit ein paar Zeichen anzufangen, die für das Baby sehr wichtig sind. In Frage kommen hier Zeichen für Milch, essen, trinken, mehr, Bett, schlafen, heiss/kalt. Wichtig ist, dass die Zeichen regelmässig verwendet werden können.

Die Zeichen werden dem Baby also vor oder während der Tätigkeit vorgemacht. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Regelmässigkeit, mit der die Zeichen verwendet werden.

Neue Zeichen werden erst dann hinzugenommen, wenn das Baby anfängt, diese selber zu verwenden. So wird das Vokabular nach und nach erweitert. Die bereits erlernten Zeichen werden selbstverständlich von den Betreuungspersonen auch weiterhin verwendet.

Babyzeichen

Wer mag und kreativ genug ist, kann seine eigenen Babyzeichen entwickeln. Eine andere kostenlose Möglichkeit ist, die Webseiten der Gebärdensprachen als Grundlage zu nehmen. Hier gibt es einige interessante Seiten, auf denen Zeichen der Gebärdensprachen in Bild oder Film gezeigt werden.

3.) aus Sonntagszeitung (Schweiz): Guck mal, wer da spricht

In Kursen für Babyzeichensprache lernen Kleinkinder schon früh kommunizieren

Von Alexandra Bröhm

Ashley klatscht. Das elf Monate alte Mädchen sitzt mit seiner Mutter auf dem Boden des St.-Andrew-Gemeindezentrums in Zürich. «Old Mac Donald had a farm», schallt es durch den Raum, «I-Ei-I-Ei-O». Ashley schielt zum gleichaltrigen Jamie. «And on that farm he had some chicks.» Beim Wort «Chick» spreizt Kursleiterin Jane Hinde ihre Ellbogen vom Körper und schlägt mit ihnen, als wäre sie ein aufgeregtes Huhn. Sechs Mütter machen es ihr nach.

Die Mütter sind gekommen, um etwas Licht in die geheime Welt der Kleinsten zu bringen. Sie besuchen einen Kurs in Babyzeichensprache für hörende Kinder. Im englischen Sprachraum sind solche Kurse populär, nun gibt es auch in der Schweiz und Deutschland erste Angebote auch mit deutschen Liedern.

Zeichen für «Windel voll», «Auto» oder «Keks»

Die Idee dahinter: Die Sprachfähigkeit der Babys hinkt ihrer geistigen Entwicklung hinterher. Bevor das kleine Kind das Wort «Ball» sagen kann, weiss es schon genau, dass es jetzt gerne mit dem runden Ding in der Kiste oben links spielen würde. Bis es das mit Zunge, Stimmbändern und Lippen artikulieren kann, sollen die Hände die Aufgabe übernehmen.

Die Kursteilnehmerinnen und ihre Kinder zwischen 8 und 18 Monaten sitzen im Kreis. Kursleiterin Hinde stimmt ein neues Lied an: «Where oh where is Jessie». Heute steht das «Wo»-Zeichen auf dem Programm. Jedes Mal, wenn das Wort «where» fällt, dreht Hinde ihre Handflächen nach oben und beschreibt mit ihnen je einen Kreis.

Dann hat Stoffkatze Jessie ihren Auftritt, sie ist weil Babys Routine lieben fester Bestandteil jeder Stunde. Jamie und Ashley schauen gebannt nach vorne, als die Katze hinter der Tischplatte hervorschielt und Jane Hinde zum «Gugus-Dada» ansetzt. «Where oh where is Jessie?».

In der wöchentlichen Stunde lernen die Mütter die wichtigsten Zeichen, die sie ihren Kindern im Alltag beibringen sollen. Wort und Zeichen werden dabei immer kombiniert. «Möchtest du mehr Milch?», fragt Jamies Mutter und macht dazu die Zeichen für «mehr» und «Milch». Der Wortschatz kann bis zu 100 Zeichen umfassen: Dinge wie «Windel voll», «Keks» oder «Auto», die für Babys eine wichtige Rolle spielen.

Jane Hinde unterhielt sich mit ihrer zweieinhalb Jahre alten Tochter Stefanie ab ihrem sechsten Lebensmonat mit Zeichen. «Nachdem sie mir eine Weile erstaunt zuschaute, fing sie mit acht, neun Monaten an, eifrig per Zeichensprache mit mir zu sprechen.»

Das «Babysigning» entstand in den Achtzigerjahren in den USA. Gebärdendolmetscher Joseph Garcia beobachtete, dass Kinder Gehörloser ihre Bedürfnisse viel früher ausdrücken konnten als Kinder hörender Eltern. Garcia begann die Babyzeichensprache zu entwickeln und schrieb das Standardwerk «Sign with your baby». Heute gibt es in den USA und in Grossbritannien unzählige Ableger der Garcia-Methode mit eigenen Kurssystemen.

Kritiker sprechen von «Frühförderungswahn»

Die Zeichensprache nützt eine natürliche Fähigkeit der kleinen Kinder. «Jedes Baby macht von sich aus ein, zwei Zeichen wie winken oder klatschen», sagt Hinde. «Das wollen wir fördern.»

Die US-Gesundheitsbehörden haben breit angelegte Studien zum Thema finanziert. Die Entwicklungspsychologinnen Barbara Goodwin und Linda Acredolo untersuchten beispielsweise, ob die Zeichensprache die normale Sprachentwicklung verzögert, weil sich die Kinder ja mit Zeichen ausdrücken können.

Das Gegenteil trifft zu, konnten die Forscherinnen in einer Studie an 103 Kindern zeigen. In Zeichensprache geschulte Kinder fingen im Durchschnitt früher an zu sprechen als ihre Altersgenossen. Auch das Gehirn entwickelte sich besser. «Sprache wird in der linken Hirnhälfte verarbeitet, die Zeichensprache stimuliert jedoch zusätzlich die rechte Hirnregion und lässt neue Nervenverbindungen entstehen», sagt Vivian König, die in Deutschland unter dem Label «Zwergensprache» ein ähnliches Kursangebot aufzieht.

König hat das Babysigning übersetzt. Sie arbeitet mit deutschen Kinderliedern und der deutschen Gebärdensprache. «Zuerst war ich skeptisch, als ich in England von der Zeichensprache hörte», sagt sie. Als ihr Sohn Maximilian ihr aber im Alter von neun Monaten ohne Gequengel, sondern mit dem Zeichen für «mehr» signalisierte, dass er jetzt unbedingt noch mehr Reiswaffeln essen müsse, war sie überzeugt.

Als «amerikanischen Frühförderungswahn» bezeichnen Kritiker die Babyzeichensprache. «Solange die Förderung den Kindern Spass macht, sehe ich kein Problem», sagt Hilda Geissmann, Leiterin der Abteilung Logopädie am Kinderspital Zürich. Und Spass haben Ashley und Jamie sichtlich.

4.) aus Stern: Guck mal, wer da gebärdet!

Von Jens Lubbadeh


Bevor Babys sprechen können, haben sie schon eine Menge zu sagen. Frischgebackene Eltern können jedoch oft nur rätseln, was das Baby meint. Die Folge: Frust. Eine Babyzeichensprache soll Abhilfe schaffen.

Der Schatten, den der große Kleiderschrank auf die Wand wirft und der wie ein großes Tier aussieht. Die große Spinne, die flink unter dem Tisch herumkrabbelt. Oder auch nur diese seltsamen schwarzen Tierchen da draußen im Sandkasten - frischgebackene Eltern können oft nur rätseln, was Baby meint, wenn es immer wieder mit einem begeisterten "dada" seine neuen Entdeckungen dieser Welt mitteilen will. Oder aber wie aus heiterem Himmel plötzlich anfängt zu weinen vielleicht weil es Hunger hat? Könnte man doch nur verstehen, was das Baby sagen will. Diese kommunikative Barriere führt nicht selten zu Frustration auf beiden Seiten.

Die Wörter sind schon da bevor der Sprechapparat funktioniert

Das muss nicht sein, meint Vivian König, die diese kommunikative Lücke zwischen Eltern und Kleinkindern mit einer Zeichensprache schließen will und Babys beim Sprechenlernen unterstützen soll. Babys so die Idee dahinter könnten sich eigentlich schon viel früher mitteilen, als sie sprechen können. Warum sollen sich die Kinder also nicht vorher schon mitteilen? Und zwar mit ihren Händen? Viel schneller als die Kontrolle des Stimmapparates erlernt das Baby die Koordination seiner Hände. Die Entwicklung der Muskeln von Zunge, Mund und Stimmbändern, die es zum Sprechen benötigt, ist erst zwischen dem 12. und dem 20. Monat abgeschlossen, wie Vivian König schreibt.

"Zwergensprache" nennt Vivian König diese Babyzeichen, die der Deutschen Gebärdensprache der Gehörlosen entlehnt sind. Allerdings vereinfacht, dass auch kleine Hände damit gut zurecht kommen. In den USA ist das sogenannte "baby signing" schon seit den 80er Jahren verbreitet. Man stellte fest, dass hörende Babys, von denen mindestens ein Elternteil gehörlos war, viel früher mit Gebärden kommunizieren konnten als gleichaltrige Kinder sprechen. Richtige Gebärdensprache, wie sie gehörlose Menschen benutzen, ist "Zwergensprache" jedoch nicht. Was die Babys lernen, sind einzelne Handzeichen für Dinge - analog zu Wörtern. Die Syntax und die besondere und komplizierte dreidimensionale Grammatik der Gebärdensprache lernt ein Kind dadurch nicht..

Einfache Worte zuerst

Dass das Konzept hinter der Zwergensprache nicht nur Hand, sondern auch Fuß hat, beweist die aktuelle Forschung: Mittlerweile ist erwiesen, dass Kleinkinder schon mit sieben Monaten Dinge ihrer Umwelt klar voneinander unterscheiden können. Die ersten Worte verstehen und Gegenständen zuordnen können sie schon mit elf Monaten. Um diese Zeit herum beginnen Kinder auch ihre ersten Worte zu sprechen.

1990 zeigten amerikanische Sprachforscher in einer Studie mit mehreren amerikanischen gehörlosen Familien, in denen die amerikanische Gebärdensprache ASL benutzt wurde, einen zeitlichen Vorteil der Gebärdensprache. Die hörenden Babys der gehörlosen Eltern begannen im Schnitt mit sieben Monaten ihre ersten Wörter zu gebärden. Also circa drei Monate bevor sie ihr erstes Wort sprachen. Dieser zeitliche Vorteil im Vokabular hielt noch eine Weile an, bis der Wortschatz rund 50 Worte umfasste. Dann und beim ersten Quantensprung, der Bildung des Zwei-Wort-Satzes, zogen Lautsprache und Gebärdensprache allerdings gleich.

Mit welchen Babyzeichen sollte man anfangen? Vivian König rät zu einfachen Worten, die den Umgang im gemeinsamen Alltag erleichtern und Grundbedürfnisse des Babys ausdrücken, z.B. Wörter wie "Milch" oder "essen".

"Zwergensprache" verstehen übrigens nicht nur Zwerge. Das Zeichen für "Milch" dürfte jedem bekannt vorkommen: rechte Hand auf Brusthöhe zur Faust ballen, Daumen nach oben abgespreizt, Faust dreimal öffnen, dabei schließen - das alles nur ohne Kuh!

5.) aus Süddeutsche: Denkbar nützlich - Die helfende Hand

Menschen gestikulieren – aber nicht nur, um sich mitzuteilen, sondern auch, um das eigene Gehirn zum Denken anzuregen. Von Philip Wolff

Gesten

Vor wenigen Monaten hatte Isabella Seethaler noch ein ernstes Problem. Sobald sie Hunger bekam, blieb ihr nichts anderes übrig: Sie musste schreien wie alle Babys, bis jemand es mit Füttern versuchte. Kurz nach ihrem ersten Geburtstag aber lernte die kleine Münchnerin ein paar Tricks. Sie gibt jetzt Handzeichen.

Führt Isabella die durchgestreckten Finger zum Mund, weiß die Mutter: Das Kind will essen. „Bitte“ sagt Isabella, indem sie die Hand auf der Brust kreisen lässt. „Mehr“, indem sie mit dem rechten Zeigefinger in die linke Handfläche tippt.

Bis zu 150 solcher Gesten bringen Eltern in den USA, in Kanada und Großbritannien ihren Kleinkindern bei. Seit der amerikanische Kinderpsychologe Joseph Garcia 1987 die Grundlagen der Baby-Zeichensprache zu entwickeln begann, breitet sich die Methode aus. Etwa 60 kommerzielle Gesten-Lernprogramme ermöglichen es Familien mittlerweile, ihre jüngsten Mitglieder bestens zu verstehen.

Hierzulande verpönt

In Deutschland aber fürchten viele Eltern, die Methode hemme die kindliche Sprachentwicklung. Isabella hat Glück. Ihre Mutter, eine Kanadierin, ist vom Gegenteil überzeugt – und jüngste Studien geben ihr Recht: „Die Programme unterstützen, was ohnehin geschieht. Mit Armen und Händen helfen Kleinkinder sich selbst, sprechen zu lernen“, sagt die Psychologin Susan Goldin-Meadow von der Universität Chicago.

Weltweit erforschen zurzeit Fachleute wie Goldin-Meadow die Zusammenhänge zwischen Gesten und Sprache – und haben Licht in manches Rätsel des Alltags gebracht: Wie helfen Gesten dem Kind beim Spracherwerb? Und warum gestikuliert der Mensch auch dann noch, wenn er längst flüssig zu reden gelernt hat? Von freien, spontanen bis hin zu lexikalisch festgelegten Bewegungen wie dem Vogelzeigen reicht sein Repertoire. Warum nutzt er es sogar, wenn sein Gegenüber ihn nicht sehen kann, etwa beim Telefonieren?

Selbst von Geburt an blinde Kinder, hat Goldin-Meadows Kollegin Jana Iverson schon vor fünf Jahren in Tests herausgefunden, gestikulieren so ähnlich wie ihre sehenden Altersgenossen. Die Forscher folgern: Gesten sind nicht in erster Linie Mittel, sich begreiflicher zu machen oder überhaupt verständlich wie ein hungriges Kleinkind. Durch den Körpereinsatz stimuliert der Sprecher offenbar die eigenen Sprachzentren im Gehirn, um die richtigen Worte zu finden.

Bewegungen, die ein Leben lang erhalten bleiben

Die nach Bedeutung suchenden Bewegungen, bei Babys aus der Not der Wortlosigkeit geboren, bleiben dem Menschen demnach ein Leben lang erhalten: als Programm, das sich etwa ab dem neunten Lebensmonat ausbildet, wenn Babys, die zuerst nur auf Gegenstände zeigen, ihr Repertoire erweitern, sagt Goldin-Meadow. Das machen sich die Baby-Zeichensprachler zunutze: Das Kind will reden, kann dies zuerst aber nur mit dem Körper.

„Kleinkinder machen zuerst eine Geste und können meist wenig später das passende Wort sprechen. Die Geste entlastet offenbar von der Not, etwas ausdrücken zu müssen, und bereitet so Freiraum für die Einübung der Artikulation“, sagt Goldin-Meadow. „Wenig später folgen dann Kombinationen aus Wort und Geste, etwa das Wort Papa und das Zeigen auf einen Hut, und anschließend spricht das Kind die erste Wort-Verbindung: Papas Hut“, fand die Chicagoer Psychologin im Frühjahr in einer Beobachtungsstudie an 40 Kindern heraus.

„Aber auch später noch überbrücken Gesten lexikalische Stolperstellen“, bestätigt die Kanadierin Elena Nicoladis nach Abschluss ihrer jüngsten Studie an zweisprachig aufgewachsenen Landsleuten. Sie hatte die Probanden zwei Sequenzen aus der Zeichentrickserie „Pink Panther“ nacherzählen lassen, auf Englisch sowie auf Spanisch und beobachtete deren Gesten.

Immer, wenn eine Beschreibung schwierig wurde, nutzten sie verstärkt Hände und Arme. Erwachsene schafften sich so kognitive Freiräume – offenbar, um sich besser auf Inhalte konzentrieren zu können.

Gesten haben unterschiedliche Funktionen

Das hatten 2004 auch Tests an Goldin-Meadows Institut belegt: 72 College-Studenten sollten dort eine mathematische Aufgabe erläutern und sich anschließend an einzelne Buchstaben- und Zahlenkombinationen erinnern. Wer gestikulieren durfte, schnitt deutlich besser ab.

„Je nach Entwicklungsstufe der verbalen Fähigkeiten haben Gesten unterschiedliche Funktionen“, erklärt Goldin-Meadow. Ein Kind, das spricht, braucht keine Zeichen mehr, die verbale Äußerungen ersetzen. Es beginnt, so ähnlich zu gestikulieren wie ein Erwachsener. Elena Nicoladis’ zweisprachige Probanden etwa „malten mit den Händen die Umrisse der Kuckucksuhr in die Luft, die den Panther weckt, oder sie zeigten in eine unbestimmte Richtung, während sie sagten: Dann ging der Panther nach Hause.“

Solche symbolischen Gesten setzt man nicht ein, weil die Worte fehlen. Nicoladis’ Probanden gestikulierten in der besser beherrschten Mutter- und der schwächer entwickelten Zweitsprache nahezu gleich stark. „Sie nutzten Arme und Hände immer in den Sekundenbruchteilen, in denen sie sich an ein passendes Wort erinnern wollten“, sagt Nicoladis.

Dass die Bewegung in kommunikativer Not dem Zuhörer eine Verständnishilfe sein sollten, war nach Ansicht der Kanadierin nicht der Fall: Wer würde schon die Umrisse einer Kuckucksuhr erkennen, die jemand mit der Hand in die Luft malt? „Jetzt weisen auch erstmals Hirnscans bei Testpersonen im Kernspintomografen unserer Universität darauf hin, dass Gesten vielmehr die jeweils passenden Sprachregionen im Gehirn aktivieren“, sagt Goldin-Meadow.

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